Eiscreme statt Canyons

Eiscreme statt Canyons oder
Wie der Lockdown Verborgenes herauskitzelte

Ob Canyons aus Papiertüten oder Wälder aus Pilzen: Diese Figürchen warten nicht einfach in Miniaturwelten auf den Zug, sie entspannen in Zwiebelwhirlpools, campen zwischen Eiscreme und paddeln durch Spaghettiwälder.
In ihrem Alltag v.C. (vor Corona) ist Erin Sullivan Fotografin und reist für beeindruckende Naturaufnahmen um die ganze Welt. Das ist jetzt natürlich nicht mehr möglich. Im März lud sie auf Instagram also das erste Foto der #OurGreatIndoors Reihe hoch, auf welches nach Begeisterung der Follower noch 32 folgten. Hätte sie also kein Weg gesucht um kreativ zu bleiben, würden diese leckeren Landschaftsfotos jetzt nicht existieren.
Und nicht nur sie entdeckte in der monatelangen Auszeit Neues für sich. Ob ein neuer Modestil, eine Sportart oder die Restaurierung alter Kameras, im Lockdown entdeckten viele Menschen neues für sich.
Denn Corona hat die Zeit angehalten, uns von unserem gewohnten Leben getrennt. Und mit Alltag und Umfeld verschwand auch irgendwie ein wenig der Mensch, der wir dort immer waren (oder sein sollten).
Man konnte verändern und ausprobieren, ohne dass es sofort Kommentare gab wie „Das passt ja gar nicht zu dir“. Und man hatte ja eh nichts zu tun. Eigentlich schon. Aber Lehrer wirken auf einer gebrechlichen Onlineplattform, durch einen Bildschirm weggesperrt, nur halb so bedrohlich.
Und so kehrten viele von uns als ein anderer Mensch ins Leben zurück. Mit einem neuen Haarschnitt, einem neuen Talent oder gar einem neuen Lebensziel!
Aber keine Sorge, falls eure einzige Bereicherung aus dem Lockdown ist, alle Folgen von Game of Thrones (es sind immerhin 73!) auswendig mitsprechen zu können: Die nächste Corona-Lockdown-Chance zum Lebenumkrempeln kommt bestimmt bald.

Katharina Heinrichs